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3 „Klasse-Frauen“ zu Besuch!

17. März 2015

Am 8. März ist der Internationale Frauentag – und was hat das mit uns zu tun?

In der ersten Märzwoche haben zwei Frauen unser Schulzentrum besucht und mit den SchülerInnen über die Bedeutung dieses Tages und die Situation der Frauen in Deutschland gesprochen.

So unterschiedlich die Besucherinnen, so vielfältig waren auch die persönlichen Lebens- und Arbeitserfahrungen, die sie schilderten:

Am 3. März kam Frau Andrea Wittrock, die Leiterin der Bremer Kriminalpolizei in den Deutschkurs des BGy14. Sie berichtete den SchülerInnen von ihrem Werdegang bei der Polizei, angefangen mit der Entscheidung, über die Auswahltests und den Weg von der Streifenbeamtin bis zur Chefin von ca.500 KriminalpolizeibeamtInnen. Die SchülerInnen waren an der besonderen Situation einer Frau in dieser Laufbahn interessiert, stellten aber auch viele Fragen nach dem Alltag einer Polizistin und verglichen die Aussagen mit dem Bild, das in den Medien gezeigt wird. Die Tatsache, dass zwischen dem „Tatort“ und der Realität doch große Unterschiede bestehen wurde deutlich.

Im gleichen Kurs war dann zwei Tage später Maike Capell, eine Metallblasinstrumentebauerin . Sie brachte eine Trompete mit, die sie als Gesellenstück gebaut hat, sowie zahlreiche Werkzeuge.

Ihre Entscheidung, nach dem Abitur nicht Design zu studieren, wie sie ursprünglich geplant hatte, schilderte sie als Ergebnis einiger Praktika in handwerklichen Berufen (Töpferin, Goldschmiedin, Restauratorin und eben Metallblasinstrumentebauerin). Diese Erfahrungen machten ihr klar, dass sie nicht nur in der Lage ist, handwerklich zu arbeiten, sondern es ihr auch viel Freude macht. In ihrem Betrieb hat sie sich als Frau nie diskriminiert gefühlt und sie sprach den SchülerInnen Mut zu, sich auch an ungewöhnliche und den Geschlechterklischees zuwider laufende Berufe zu wagen. Persönliches Engagement, die Begeisterung für eine Tätigkeit, Durchhaltevermögen, Neugier und Zuverlässigkeit stellte sie als die Basis für Erfolg in jedem Handwerk dar. Viele Fragen der SchülerInnen bezogen sich auf die mitgebrachten Werkzeuge, die Trompete und die Bilder aus der Werkstatt.

In beiden Begegnungen zwischen den „Klasse-Frauen“ und den SchülerInnen war sehr schnell klar, dass nicht das Geschlecht, sondern die persönlichen Ziele und Haltungen entscheidend für den Werdegang und den Erfolg der Besucherinnen waren.

Einen anderen Schwerpunkt hatte der dritte Besuch der „Klasse-Frau“ Ülkü Kilic-Walter im 2. Jahrgang der Werkschule. Die ausschließlich männlichen Schüler hörten Frau Kilic-Walter zunächst sehr gespannt zu, als sie über ihre Erfahrungen als Frau mit Migrationshintergrund berichtete und danach gab es eine lebhafte Diskussion und einen Austausch von Vorstellungen vom Zusammenleben der Geschlechter, Menschen verschiedener Herkunft, Religion, Bildung etc. Die Schüler waren gegenüber den Gedanken von einer Gesellschaft, die durch Verschiedenheit profitiert, überwiegend aufgeschlossen.

Insgesamt haben die Berichte und die Diskussionen viele Denkanstöße gegeben und alle Beteiligten dazu angeregt, ihre Meinungen zu Gleichberechtigung, Rollenklischees, Berufsorientierung und Selbsteinschätzung zu hinterfragen und achtsamer im Umgang mit diesen Themen zu sein.

Die Aktion „Klasse-Frauen“ wird alljährlich von der Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF) initiiert und sicher werden wir auch im nächsten Jahr wieder dabei sein, denn:

Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann. (Francis Picabia)

Ursula Pickener